Das Geheimnis glücklicher Partnerschaften: Diplom-Psychologin Andrea Simmer verrät, wie das Glück lange hält
Experteninterview

Das Geheimnis glücklicher Partnerschaften: Diplom-Psychologin Andrea Simmer verrät, wie das Glück lange hält

Den richtigen Partner finden ist schon schwer genug. Manchmal ist es aber noch schwieriger auch zusammenzubleiben. LemonSwan Psychologin Andrea Simmer verrät im Experteninterview warum es immer mehr Singles gibt und die Beziehungen immer kürzer werden. Außerdem gibt sie Tipps, was jeder Einzelne tun kann, damit die Liebe lange hält, um eine  glückliche Beziehung zu führen.

 

Liebe Frau Simmer, als Diplom Psychologin beschäftigen Sie sich täglich mit Lebensberatung, geben Coachings und helfen mit Familien- und Paartherapie.

 

Können Sie sich erklären, warum die Singlezahlen immer weiter steigen?

 

Das Singlesein ist gesellschaftlich mittlerweile akzeptiert. Es ist schlicht kein Weltuntergang mehr, zuzugeben, dass man alleine lebt. Singles haben – vor allem in der Großstadt – ein gutes Netzwerk und ziehen aus ihrem Beziehungsstatus eine große Flexibilität.

Eine sehr positive Entwicklung zu einer „Single-Kompetenz“, wie ich finde. Diese Single-Kompetenz führt aber zugleich zu einer beunruhigenden Ich-Bezogenheit. Das bedeutet konkret, dass die betroffenen Personen anpassungsmüde geworden sind und ihre Kompromissfähigkeit mehr und mehr abnimmt. Sobald die ersten Verliebtheitsgefühle nachlassen, entscheiden sich viele darum für den leichteren Weg: die Trennung – ohne Kompromisse. Das nimmt der Liebe jedwede Möglichkeit, mit ihren Aufgaben zu wachsen. Jammerschade!

Weil es aber auch nicht erstrebenswert ist, in einer Paarbeziehung unglücklich zu sein, hilft es, weniger rosarote Situationen auch einmal auszuhalten zu lernen.

 

Haben sich denn Liebe und Beziehungen in den letzten 15 Jahren sehr verändert?

 

Ich merke, dass gerade die jungen Menschen vielfach an sich und ihrer Partnerschaft zweifeln. Diese Selbstzweifel haben mit den Jahren stark zugenommen. Häufigere Partnerwechsel sind die Folge. Dieser Wandel hängt unmittelbar mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Frauen haben das große Bedürfnis, den beruflichen Erfolg zunächst „in sicheren Tüchern“ zu wissen, ehe sie sich fest binden und Kinder bekommen.

 

Was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Wo sehen Sie uns in 10 Jahren?

 

Ich denke, der Trend steigender Singlezahlen wird sich weiter vertiefen. Silberhochzeit und Goldene Hochzeit sterben langsam aus, da die Halbwertszeiten der Beziehungen weiterhin niedrig bleiben. Schon jetzt sehen wir, dass immer neue Beziehungs- und Wohnformen entstehen, die sich an den wandelnden Bedürfnissen orientieren. Eins bleibt: Die starke Sehnsucht nach erfüllender Partnerschaft.

 

Trotz Sehnsucht klappt es nicht. Leiden wir alle an “Beziehungsinkompetenz”?

 

Allgemein würde ich nicht von Beziehungsinkompetenz sprechen. Vielmehr ist die starke Ich-Bezogenheit das Problem: Das eigene Streben nach Erfolg, nach Status und Anerkennung – darauf wird viel Energie verwandt. Diese Verhaltensweisen erschweren eine Partnerschaft deutlich, weil Singles in ihrer Selbstbezogenheit auf den anderen und seine Bedürfnisse nicht ausreichend eingehen.

 

Lief früher denn alles besser? Gibt es etwas, das wir hier von unseren Großeltern lernen können?

 

Von unseren Großeltern können wir uns deren Kompromissbereitschaft abschauen. Wer eigene Ansprüche auch mal hinterfragt und die Schuldfrage beiseitelässt, profitiert in der Partnerschaft sehr davon. Das Motto lautet: Sich selbst reflektieren, aushalten, dranbleiben und letztlich zusammenbleiben.

 

Leider trennen sich dennoch viele Paare. Alleinerziehende Frauen scheinen dabei die Hauptverlierer zu sein (85 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen und mehr als 40 % beziehen Hartz IV). Was muss sich ändern?

 

Frauen, die sich für Familie und Kinder entscheiden, sollten versuchen, weiterhin beruflich am Ball zu bleiben. Das Gebot lautet: Teilhabe schaffen. Geteilte Last ist halbe Last – es reicht nicht, die Aufgaben erst zu teilen, wenn es schon nicht mehr rund in der Beziehung oder der Ehe läuft. Leidtragende sind nämlich nicht zuletzt die Kinder.

 

Leiden Kinder heute bei Trennungen mehr?

 

Generell steht und fällt das Befinden der Kinder mit der Verhaltensweise der Eltern. Gehen beide Elternteile respektvoll miteinander um? Vermitteln sie dem Kind, dass es nicht wählen muss? Gerade diese Faktoren bedingen oder gefährden die Entwicklung der Kinder.

Zugleich hat die gesellschaftliche Akzeptanz von Trennungen und Scheidungen zugenommen. Aus diesem Grund werden Kinder mit abweichenden Familienkonstellationen heute nicht mehr ausgegrenzt.

 

Frau Simmer, Butter bei die Fische: Was sind die häufigsten Gründe für Trennungen?

 

Trennungsgrund Nummer 1 sind, wie Sie vielleicht schon vermuten, Affären. Nur die wenigsten Betrogenen schaffen es, diesen Fehltritt zu verzeihen und einen Neustart zu beginnen.

Eifersucht oder einengendes Verhalten, sowie beruflicher Misserfolg eines Partners sind ebenfalls häufige Trennungsursachen. Nicht zuletzt ist aber auch nachlassende Sexualität ein Krisenthema, das öfter zu Trennungen führt.

 

Wie kommen die verschiedenen Generationen mit einer Trennung zurecht?

 

Aufgrund der angesprochenen Single-Kompetenz fällt der jüngeren Generation der Umgang mit Trennungen oder Affären leichter. Sie sind Single-erprobt und dadurch gewohnt, ihre Beziehungen häufiger zu wechseln.

Bei der Generation 50+ sehe ich auf der anderen Seite immer wieder den Willen, die Beziehung zu retten, gerade das Verzeihen gelingt ihnen dabei aber nicht so einfach.

 

Was sind denn Ihre persönlichen Tipps zum Gelingen einer Beziehung?

 

    1. Behandeln Sie sich mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Halten Sie in der Partnerschaft nichts für selbstverständlich.
    2. Hören Sie zu und schenken Sie Aufmerksamkeit – das schafft Nähe.
    3. Gestalten Sie gemeinsam Erlebnisse oder kochen Sie als Überraschung z.B. das Lieblingsessen des Partners – das schafft Intimität, Vertrauen und verbindet.
    4. Kommunizieren Sie ausgewogen, d.h. Streits sind erlaubt, solange sie nicht zerstörerisch ablaufen.
    5. Erinnern Sie sich an den Beziehungsbeginn und die Mühe, die Sie sich noch gegeben haben. Vielen fällt es schwer, sich kontinuierlich Mühe zu geben, doch es lohnt sich!

Die Tipps sind notiert! Mich interessiert nun: Was können Männer von Frauen lernen und was die Frauen von uns?

 

Frauen sind meist kommunikativer und wollen über ihre Gefühle sprechen. Männer können sich in dieser Hinsicht etwas abschauen und lernen, aktiv zuzuhören und an der Kommunikation teilzunehmen.

Dafür sind Männer vielfach kompromissfähiger und weniger nachtragend. Sie können bestimmte Eigenarten der Frau eher hinnehmen. Das legen viele Frauen zwar als oberflächlich aus, ist aber eine sehr gute Lösungsstrategie. Die Damen dürfen sich hier gern eine Scheibe abschneiden.

 

Die Mehrheit tut sich bestimmt schwer, in diesen Lebensbereichen dazuzulernen und macht immer wieder die gleichen Fehler. Was raten Sie diesen Wiederholungstätern?

 

Ein Großteil der „Wiederholungstäter“ sind Menschen, die wieder und wieder kürzere Beziehungen führen. Sie kommen stets an ihre Grenze, wenn der Schritt zu einer tieferen Beziehung bevorsteht. Diese Menschen sehen die „Schuld des Scheiterns“ stets im anderen. Bei mir im Coaching erkennen sie dann ihren eigenen Anteil und, dass es nicht um „Schuld“ geht. Mein Tipp: Zunächst bei sich selbst forschen und sich und seine Verhaltensweisen verstehen.

Denn je ich-bezogener ein Mensch ist, desto öfter scheitert die Beziehung und der Beziehungsstatus wird über kurz oder lang immer wieder „Single“ sein.

 

Genau diesen Trend wollen wir mit LemonSwan umkehren und freuen uns, Sie dabei als unsere psychologische Expertin an der Seite zu haben. Wir danken Ihnen vielmals für die spannenden Einblicke und hilfreichen Tipps. Ich gebe meiner Frau weiter, sie soll künftig weniger nachtragend sein und meine Lösungsstrategien anwenden 😉

 

Andrea Simmer

Andrea Simmer

Diplom-Psychologin

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