Experteninterview

Frauen und die Online-Partnersuche – Paartherapeutin Ingrid Strobel klärt auf

Wir haben nachgefragt – Ingrid Strobel beschäftigt sich nicht nur mit Beziehungen als Paartherapeutin in Augsburg, sondern sie hat auch ein Buch darüber verfasst, dass die Partnerwahl nicht nur mit dem Herzen, sondern auch mit dem Verstand anzugehen ist. Außerdem gibt sie wertvolle Tipps, wie der große Wunsch in Erfüllung geht. Sie persönlich hat Ihr privates Glück online gefunden, weshalb wir wissen wollten wie es Ihr dabei ergangen ist und wonach Frauen sich bei der Online-Partnersuche sehnen.

Online-Partnersuche 

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, Online Ihren Partner zu suchen?

Weil ich eine klare Vorstellung von einem passenden Partner hatte und deshalb systematisch vorgehen wollte. Eine Online-Partnervermittlung ermöglichte mir gezielt in einem von mir definierten Umkreis zu suchen und auszuwählen. Zudem konnte ich anhand des Persönlichkeitsprofils die für mich interessanten Partner eingrenzen. Eine Partnersuche in der “freien Wildbahn” erschien mir dagegen sehr mühsam, zeitaufwändig und wenig erfolgversprechend.


Wie verlief die Online-Partnersuche für Sie?

Ehrlich gesagt musste ich mich erst an die Vorgehensweise gewöhnen. Mir wurde schnell klar, dass eine knallharte Auswahl stattfand und ich auch das eine oder andere Mal ohne Erklärung verabschiedet wurde. Das war anfangs für mein weibliches Selbstbewusstsein nicht gerade prickelnd. Aber um so mehr ich mich damit auseinandersetzte, um so gelassener und humorvoller konnte ich damit umgehen. Und schließlich nutzte ich auch hin und wieder den Button für die Verabschiedung.


Welche Vorteile birgt die Online-Partnersuche für Sie und wie sehen Sie die Partnersuche im Alter in Bezug darauf?

Nun, die Vorteile liegen für mich klar auf der Hand. Meinem Partner, den ich über eine Online-Partnervermittlung gefunden habe, wäre ich niemals im realen Leben begegnet. Schon allein, weil er 80 Kilometer entfernt lebt und weil wir in einem Alter sind in dem man nicht mehr im Flirt- und Eroberungsmodus die Welt erobert.

Die meisten Menschen in unserem Alter, also jenseits der Fünfzig, sind entweder gebunden oder als ungebundene in der Gesellschaft kaum sichtbar. Über die Online-Partnervermittlung werden sie wieder sichtbar.


Erzählen Sie uns Ihre Erfolgsstory bei der Online-Partnersuche

Wie schon gesagt, am Anfang war die ganze Sache etwas gewöhnungsbedürftig. Aber mit der Zeit lernte ich damit umzugehen. Die erste Zeit war es auch mehr ein Trial and Error – Unterfangen mit einigen Frustrationen. Aber ich dachte mir, einen Plan zu haben ist wichtig, nur braucht es eben Übung und Durchhaltevermögen, um ihn bestmöglich umzusetzen. Ich musste auch lernen, dass ich mich als Frau nicht in eine Warteposition begeben durfte, sondern aktiv sein musste. Das kostete mich einiges an Überwindung, weil meine Generation in dieser Hinsicht andere Werte verinnerlicht hat.

Sobald ich das alles überwunden hatte, fing es an richtig Spaß zu machen. Ich wurde immer mutiger und wurde dafür auch belohnt. Erste Dates folgten mit guten Unterhaltungen aus denen sich nette Kontakte entwickelten, aber der passende Mann war für mich erst einmal nicht dabei. In dieser Zeit schrieb ich auch an meinem Buch “Entscheide, wen Du lieben willst”.
Zusammenfassend kann ich dazu sagen, ich musste Geduld mitbringen, an manchen Ecken mich auf neue Vorgehensweisen einlassen und ich versuchte Tolerant mir selbst und anderen gegenüber zu sein. Zwar kann man online eine Vorauswahl treffen, aber am Ende ersetzt es kein reales Treffen. Deshalb scheute ich mich nicht die Männer, die in die engere Wahl kamen baldmöglichst zu treffen. Und alles was beim ersten Date passierte habe ich nicht auf die Goldwaage gelegt. Ich war meist etwas aufgeregt und mein Gegenüber ebenso, da kann man dann schon mal in das eine oder andere Fettnäpfchen treten, das man im Normalfall sorgfältig vermieden hätte.


Entscheide, wen du Lieben willst

Erläutern Sie uns doch den Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit

Verliebtheit ist ein Ausnahmezustand, der berauscht und von begrenzter Dauer ist. Meist legt sich dieser Zustand nach spätestens ein bis vier Jahren. Bei vielen kommt der ernüchternde Liebeskater aber bereits nach rund zwölf Monaten, abhängig von der persönlichen Frustrationstoleranz. Das kribbeln im Bauch ist weg und plötzlich nervt das, was man vorher als süß empfand.
Um sich zu verlieben braucht es im Grunde nicht viel: Man muss den Gegenüber attraktiv finden und gut riechen können. Wenn dann noch etwas Adrenalin im Spiel ist, dann geht es recht schnell mit dem Verlieben.

Liebe ist anders. Sie braucht zwar keinen Rausch, um sich zu etablieren, dafür aber unter anderem gemeinsame Werte und Ziele, ähnlichen Bildungsstand, ähnliche Interessen und altersmäßig sollte es passen. Und auch was die Sexualität betrifft, sollte man ähnlich ausgerichtet sein. Weitgehende Übereinstimmung im Denken und Handeln wären zudem hilfreich.


Verliebtheit ist etwas was uns passiert und was wenig Beständigkeit hat. Liebe hingegen ist der Ausdruck dessen was uns Verbindet und woran die Beziehung wächst. Und sie ist im Allgemeinen beständig.


Sie behaupten, dass man auch Lieben kann, ohne verliebt zu sein – wie funktioniert das?

Indem man der Liebe Zeit gibt und mit dem Verstand auf die Beziehung blickt. Liebe braucht Zeit und Geduld und den Willen täglich an sich selbst und an der Beziehung zu arbeiten. An der Beziehung zu arbeiten, soll nicht bedeuten am Partner zu arbeiten. Zur Liebe gehört auch den anderen in seiner Persönlichkeit so anzunehmen wie er ist. Wenn man das nicht kann, dann sollte man überprüfen, ob das, was die Liebe voraussetzt auch tatsächlich vorhanden ist.
Ich bin der Meinung, wenn man sein Gegenüber sympathisch und attraktiv findet, sich gut riechen kann und die genannten Voraussetzungen vorhanden sind, dann sollte man der Liebe eine Chance gegeben, auch wenn es im Bauch nicht kribbelt. Das braucht halt Zeit und eine klare Entscheidung sich einzulassen. Und freilich ist das mit Arbeit verbunden und funktioniert nicht von alleine wie bei der Verliebtheit. Aber dafür ist das Ganze langfristig gesehen erfolgreicher, als bei der Verliebtheit.


Was sind die größten Konfliktpotenziale bei der Partnersuche und in einer Partnerschaft?

  1. Wenn man nicht in dieselbe Richtung blickt.
  2. Wenn die Werte und Moralvorstellungen zu weit voneinander entfernt liegen.
  3. Gemeinsamkeiten sind kaum vorhanden.
  4. Schweigen und nicht miteinander über eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse reden ist Gift für die Beziehung.
  5. Zu wenig gegenseitige Wertschätzung.

Ein sparsamer Mensch wird mit einem verschwenderischen Menschen unglücklich sein. Und eine Couch-Potato wird mit einer umtriebigen Sportskanone auf Dauer keinen Frieden finden.


 Was Frauen wollen

Sie haben Jahrelange Erfahrung – Was wollen Frauen bei der Partnersuche?

Ich denke, die meisten Frauen wollen umworben werden. Das ist heute noch so wie in meiner Jugend. Und wenn es um eine dauerhafte Beziehung geht, dann spielen für Frauen mit Familienplanung sicher finanzielle Aspekt eine Rolle wie auch Verlässlichkeit und emotionale Kompetenz. Vertrautheit spielt zudem eine Rolle bei der Partnerwahl. Wir tendieren eher zu vertrauten Gesichtern, da wir damit eine Art Sicherheit verbinden. Ein potentieller Partner, der dem geliebten Vater ähnelt hat demnach größere Chancen zu punkten als jemand, der dem Schema nicht entspricht.

Bei älteren Semestern steht der Wunsch nach Freizeitgestaltung mit dem Partner weit vorne. Sie wollen die verbleibende Lebenszeit mit dem Partner genießen und sich nicht mehr mit sogenannten Altlasten auseinandersetzen müssen. Aber auch in diesem Fall sind emotionale Kompetenz und Verlässlichkeit ein Thema.


Was ist ein typisches Datingverhalten bei Frauen?


Ich denke, es kommt immer auf die Situation und dem Mann ihr gegenüber an, wie sie sich schlussendlich verhält.
Ansonsten sind Frauen wohl eher passiv, wenn es um den ersten Schritt für ein Dating geht.

Beim Dating selbst reden Frauen gerne und viel. Ganz besonders dann, wenn sie etwas aufgeregt sind. Dagegen ist nichts einzuwenden, man soll sich schließlich kennenlernen. Aber damit die ganze Sache nicht einseitig wird, wär es hilfreich, den Zuhörer mit offenen Fragen in einen Dialog zu bringen.


Mich erstaunt immer wieder mit welcher Hingabe wir Frauen das, was potentielle Partner von sich geben analysieren, ja fast schon sezieren und wie ein Puzzle, je nach Stimmung, wieder zusammensetzen. Dass dabei viel Unsinniges herauskommt wissen wir eigentlich, aber wir können es einfach nicht lassen. Ein Weg wäre einfach nachzufragen, um sich zu vergewissern, ob man etwas richtig verstanden hat. Oder noch besser: Abwarten und Tee trinken, um alles in Ruhe auf sich zukommen zu lassen.

Auch neigen Frauen eher dazu in die bewundernde und Zustimmende Haltung zu fallen. Das schmeichelt natürlich dem Ego des Mannes und damit kann sie sicherlich punkten, aber auch hier gilt nicht zu übertreiben und auch eine eigene Meinung zu vertreten, sonst wird das Gespräch schnell langweilig und einseitig.


Das Bauchgefühl der Frau ist sicher ein guter Geburtsort für Intuition, aber manchmal trügt auch das was Offensichtliche erscheint. So sollte man beim Dating seiner Intuition ruhig folgen, aber sich von ihr nicht beherrschen lassen.
Und hinterherlaufen, wenn es gefunkt hat, wäre fatal. Es wär auch schade, wenn man das Prickeln der Ungewissheit nicht genießt, um sich dann von Herzen zu freuen, wenn der Auserwählte sich meldet für ein weiteres Date.


Was sind die größten Unterschiede bei Frauen und Männer in Bezug auf Liebe und Partnerschaft?

Männer

  1. Männer sind etwas pragmatischer als Frauen. Sie machen sich nicht ständig Gedanken, was wie in der Partnerschaft laufen oder nicht laufen soll.
  2. In der Regel versuchen sie auch nicht die Partnerin zu verändern.
  3. Wenn Männer lieben, dann ist es für sie das Gesamtpaket. Selten können oder wollen sie differenzieren, warum sie gerade diese Frau lieben. Ihre Liebe findet häufig Ausdruck in der Sexualität oder wenn sie ihre Partnerin beschenken, ihr Arbeit abnehmen, mit ihr Zeit verbringen und sie finanziell absichern.

Frauen

  1. Frauen hingegen machen sich ständig Gedanken. Das ist leider kein Klischee. Wir leiden selbst daran, dass wir das nicht abschalten können.
  2. Frauen neigen leider auch dazu Ihren Partner verändern zu wollen.
  3. Frauen sind etwas differenzierter. Sie finden viele Gründe warum sie ihren Partner lieben und sie denken darüber nach wie sie die Beziehung lebendig und glücklich gestalten können.
  4. Ihre Liebe findet ihren Ausdruck in Zärtlichkeit und intensiver Kommunikation.

Was wünschen Frauen sich heutzutage in einer Beziehung?

Verlässlichkeit, Sicherheit und Wertschätzung. Aber ich denke, das geht in beide Richtungen.
Die Verlässlichkeit sorgt dafür, dass man sich beim Partner sicher und aufgehoben fühlt. Und die Wertschätzung führt zur Achtsamkeit im Umgang miteinander.


Ingrid Strobel

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