Experteninterview

63 gemeinsame Jahre und glücklich – Tipps für die ewige Liebe

Wie hält die Liebe? Was ist das Geheimnis für die ewige Liebe? Das Ehepaar Kaiser blickt auf 63 gemeinsame Jahre, 7 Kinder, 20 Enkel und bald 9 Urenkel zurück. Zeit, innezuhalten und ihr Glück mit anderen zu teilen.

 

Liebes Ehepaar Kaiser, Sie beweisen, dass eine lange, glückliche Partnerschaft funktionieren kann. Warum kriegen jüngere Paare das nicht hin und trennen sich häufig?

Nicht Vorsätze, sondern Grundsätze sind erforderlich. Wurde das Fundament für eine tragfähige Partnerschaft von einem Paar gelegt? Partnerschaft und Ehe bedeuten im besten Fall ein lebenslanges Zusammenwachsen. Jedem obliegt es, zu fördern, was dem Zusammenwachsen dient und zu wehren, was es hindert oder gar zerstört. Im Zusammenwachsen werden zwei „Ich“ zu einem „Wir“. Wo kein Zusammenwachsen geschieht, ist die Trennung vorprogrammiert.

Wenn Sie zurückblicken, würden Sie etwas anders machen?

Wir würden noch gründlicher, verantwortungsvoller und realistischer den Bauplan für unsere Ehe zeichnen, studieren, verinnerlichen und – alle falschen Ratgeber meidend –weiterentwickeln.

Welche Fehler können Paare vermeiden?

Sich nicht überschätzen, sich nicht überfordern, den Partner nicht erziehen. In dem Partner auch keinen Heiligen sehen. Wohl aber seine/ihre Einmaligkeit erkennen und annehmen. Den Partner nicht als Eigentum betrachten, sondern als jemanden, den ich in einer Ehe bzw. Partnerschaft anvertraut bekomme. Wer das verdrängt oder ignoriert, der muss mit Folgen rechnen…

Haben Sie trotz glücklicher Ehe mal Streit?

Ja! Ich bin kein Engel, meine Frau auch nicht. Beim Zusammenwachsen entstehen immer auch Wachstumsschmerzen. Jeder läuft Gefahr, sein eigenes Ich größer zu schreiben als das des Partners. Übersteigerter Egoismus raubt dem Partner seine Identität. Zur Partnerschaft gehört eine fördernde Streitkultur, die mit Bedacht erlernt werden muss. Hier sind wir beide noch keine Meister geworden 😉 Wir üben uns aber im gegenseitigen Respekt.

63 Jahre – Was ist Ihr Geheimnis? Welche Tipps geben Sie jedem Paar?

Wir sind noch auf dem Wege, nicht am Ziel. Es heißt weiterhin, gemeinsam wachsam und kritisch zu bleiben. Denn es bleiben immer trennende Elemente, die ihre Wirkkraft nicht verlieren. „Ich liebe Dich“ ist ein gutes Versprechen, das man einander schnell geben kann. Dieses Versprechen muss allerdings täglich eingelöst werden und dafür ist jeder in höchstem Maße selbst verantwortlich. Nie darf der eigene Egoismus auf Kosten des anderen gehen. Beziehungen scheitern vielfach daran.

7 Kinder: Da war wohl immer viel los.

Jedes Kind war für uns Gabe und Aufgabe zugleich. Sie machten uns zu Vater und Mutter und ließen uns intensiver zusammenwachsen. Die Kinder sollten niemals unter ihren Eltern leiden. Die Pubertäts- und Abnabelungsphasen waren für Kinder und Eltern oft schmerzhaft. In dieser Zeit blieben wir stets in Ruf- und Sichtweite zueinander. Sie gaben uns 20 Enkelkinder und 8 Urenkel – das neunte ist schon auf dem Weg. Wir nahmen und nehmen an den Freuden und Leiden der Kinder, Schwiegerkinder und Enkel teil. Wir helfen, wo wir helfen können. Für uns ein großes Geschenk, für das wir immer dankbar sind.

Was raten Sie jungen Singles, die sich eine Partnerschaft wünschen?

  • Macht euch klar, was soll euch eine Partnerschaft bringen? Zu welchem Ziel wollt ihr?
  • Was kann eine Partnerschaft leisten und was nicht?
  • Was bringe ich in eine Partnerschaft mit oder neu ein?
  • Kann ich in der Partnerschaft derjenige werden, zu dem ich bestimmt bin?

Für jene, die eine feste Bindung eingehen möchten:

  • Es geht um die wichtigste Entscheidung in eurem Leben.
  • Anfangsschwierigkeiten sind wie 10 Kilo Salz, die gemeinsam zu gleichen Teilen gegessen werden müssen.
  • Wollen wir Kinder haben? Welchen Stellenwert bekommt die zukünftige Familie in meinem Leben?
  • Geht nach richtiger Vorbereitung zusammen an die Startbahn des gemeinsamen Lebens und beginnt richtig. Ist der Anfang gut und richtig, wird es das Ende ebenfalls sein.
  • Wenn möglich, alle guten Erfahrungen aus der Ehe der Eltern übernehmen.
  • Seid stets aufmerksam und habt Sorge für das Wachsen des “Du“. Seid euch bewusst, dass ihr den anderen nie aus den Augen verlieren dürft.
  • Habe ich einen Euro, hat meine Partnerin ebenfalls einen Euro; denn aus zwei „Ich“ wird ein „Wir“. Hier bewährt sich Vertrauen, das immer in der Partnerschaft wachsen muss. Materielle Werte dabei aber nicht überschätzen!

Für jene, die Eltern werden möchten:

  • Bereit sein, die Mutter- bzw. Vaterschaft anzunehmen und den Partner aus Leibes- und Seelenkräften unterstützen. Hier auch für jeden Partner den Raum und die Zeit dafür schaffen.

Ja, auch das gehört dazu:

  • Realität: Jeder wird in einer Beziehung beim Zusammenwachsen verletzt, der jeweils andere „schuldig“. Das heißt, es entstehen zwangsläufig Wunden. Niemals nach dem Motto verfahren: „Schuld hat mein Mann bzw. meine Frau. Jeder sollte für die Wunden des anderen der Doktor sein, dem man vertrauen kann.
  • Die Körpersprache des anderen verstehen lernen, um entsprechend antworten zu können.
  • Zum Zusammenwachsen von Leib, Geist und Seele gehört auch das Einbringen der eigenen Sexualität.
  • Unsere Hände sind nicht nur zum Arbeiten, Bauen, Beschützen, Tragen, Abwehren da, sondern für eine besondere Begabung: zum Segnen des (Ehe-)Partners. Als Pastor weiß ich: Segnen wirkt Wunder. Praktizierte Vergebung ist die höchste Kunst der Liebe.

 

Ein weiser Rat von uns beiden zum Schluss:

In einer Partnerschaft oder Ehe ist man nie fertig. Es muss der gemeinsame Wunsch und Wille bleiben, sie zu vollenden mit Gottes Hilfe, im Angesicht der Eltern, Kinder und Kindeskinder.

Liebes Ehepaar Kaiser, Sie haben offensichtlich stets an sich und Ihrer Bindung gearbeitet und sind gemeinsam – auch an den Herausforderungen – gewachsen. Ein wundbares und realitätsgezeichnetes Vorbild für all jene, die noch auf der Suche nach ihrer großen Liebe sind.

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