Wie Singles die Wohnungsnot verschärfen – Immobilienexperte Kim Schmidt erläutert Zusammenhänge
Experteninterview

Wie Singles die Wohnungsnot verschärfen – Immobilienexperte Kim Schmidt erläutert Zusammenhänge

Wohnungsmangel: kein neues Phänomen. Doch trotz Bauwut wird dieses Problem immer akuter. Immobilienmakler Kim Schmidt erklärt im Experteninterview die Zusammenhänge zwischen Singletrend und Wohnungsnot. Außerdem verrät er, wer die Leidtragenden dieser Entwicklungen sind.

 

Herr Schmidt, der Immobilienmarkt ist Ihr Metier. Sie bekommen hautnah mit, wie die Wohnungsnot in Großstädten wächst und die Zahl der Ein-Personen-Haushalte immer weiter steigt. So lebt in einer Großstadt wie Hamburg mittlerweile jeder Zweite allein, das geht aus den neuesten Zahlen des Statistikamtes Nord hervor.

Uns interessiert, liegt dieser Trend in den steigenden Singlezahlen begründet?

Die deutschen Großstädte sind zu wahren Single-Hochburgen geworden. Neben den enormen Singlezahlen beeinflusst dabei aber auch der Zuzug den Wohnungsmarkt stark. Mehr und mehr junge Menschen ziehen in Metropolregionen, um dort ihre Ausbildung oder ihr Studium zu beginnen. Die Folge: Die Städte sehen sich bei dieser steigenden Nachfrage in der Pflicht und kurbeln massiv den Wohnungsbau an.

Was für Probleme ergeben sich daraus?

Das Stadtbild wird sich sehr verändern. Ich sehe zunehmend einen Schwund an älteren Einfamilienhäusern, die profitableren Single-Bauten, sprich Mehrfamilienhäusern weichen. Familien haben es dadurch immer schwieriger, geeigneten Wohnraum zu finden.

Wenn die Singlezahlen noch weiter steigen und die Menschen vermehrt in die Stadt streben, wird jede verfügbare Fläche bebaut werden – wenn das nicht mehr ausreicht, steuern wir auf eine Wohnungsnot zu.

Welche Gesellschaftsschicht ist bei diesen Entwicklungen die leidtragende?

Leidtragend sind bei diesen Entwicklungen ganz klar Personen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Auch Alleinerziehende haben es nicht leicht. Sie können sich aufgrund ihrer Einkommenssituation und anderen erschwerenden Bedingungen ihre Wohnträume oftmals nicht erfüllen.

Werden also weniger zahlkräftige Bewohner aus den Städten verdrängt?

Wer es sich leisten kann, findet noch passende Miet- oder Kaufobjekte. Das Motto: Flexibel sein, Kompromisse eingehen, seine Ansprüche senken oder mehr ausgeben.

Ob sich aber etwa die Alleinerziehenden den Wohnraum künftig noch leisten können, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Erhöhen sich erstens ihre Gehälter ausreichend und wird zweitens – wie zum Beispiel in Hamburg im Gespräch – die Mietpreisbremse umgesetzt? Falls nicht, bleiben die Alleinerziehenden auf der Strecke. Und nicht zu vergessen ihre Kinder! Das sind einige Betroffene, denn laut Statistischem Landesamt sind in einer Großstadt wie Hamburg ein Viertel der Haushalte mit Kindern Alleinerziehenden-Haushalte. Zahlen, die erschrecken.

Wir können doch unmöglich unsere Alleinerziehenden aus den Städten vertreiben! Wo liegen Lösungsansätze?

Einige Städte machen es vor: Sie schreiben für große Wohnbauprojekte den sogenannten Drittelmix vor, d.h. 30% müssen als Sozialwohnungen, 30% als frei finanzierte Mietwohnungen und 30% als Eigentumswohnungen zur Verfügung gestellt werden. Dadurch erhalten auch sozialschwache Wohnungssuchende die Chance auf Wohnraum. Ist der Alleinerziehende allerdings nicht berechtigt, in einer Sozialwohnung zu wohnen, wird die Wohnungssuche extrem schwer.

Hier sehen wir uns mit LemonSwan in der Pflicht! Wenn wir den Singletrend umkehren, senken wir zugleich die Zahl der Ein-Personen-Haushalte und verringern nachhaltig den Wohnungsdruck. Schöner Nebeneffekt: die schönen Stadtbilder bleiben erhalten. Herr Schmidt, vielen Dank, dass Sie uns mit Ihrer Expertise aktuelle Einsichten verschafft haben.

 

 

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